„Content & Verzweiflung“ ab jetzt mit dem Sternchen

Der Newsletter Content & Verzweiflung sowie unsere Social-Media-Posts erscheinen ab sofort in gendergerechter Sprache. Warum? Als Content-Agentur mit journalistischen Wurzeln glauben wir an die Macht der Sprache. Sie bildet bestehende Machtverhältnisse ab und kann Ausdruck gesellschaftlicher Veränderung sein. Die wollen wir mit unseren Mitteln vorantreiben.

Text: Sabrina Waffenschmidt und Christian Elster

Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts setzen sich Sprachwissenschaftler*innen für eine demokratischere Sprache ein, die beide Geschlechter adäquat abbildet. Im letzten Jahr brachte der Duden mit „Richtig gendern“ einen Band mit Empfehlungen für gendergerechte Sprache heraus und noch entscheidender: Im Juni 2018 hat sich der Rat für deutsche Rechtschreibung mit dem Thema befasst. Der hätte die Macht in Verbindung mit der Kultusministerkonferenz eine Regelung amtlich zu machen. Das wird erstmal nicht passieren.

Solche Bestrebungen erregen immer wieder starken Protest gegen eine vermeintlich „von oben“ herab verordnete „Verstümmelung“ der deutschen Sprache. Obwohl das Thema also schon lange präsent ist, bleibt die Umsetzung gendergerechter Sprache in den Medien, von wenigen Ausnahmen abgesehen, und auch im Content Marketing, bisher aus. Doch unserer Überzeugung nach sind die Argumente für gendergerechte Sprache schlagend.

Das sind drei Gründe, warum wir unseren Newsletter „Content & Verzweiflung“ sowie unsere Social-Media-Kommunikation ab jetzt in gendergerechter Sprache verfassen.

1. Das generische Maskulinum schließt nicht alle mit ein

Wenn im Deutschen von Ärzten, Managern oder Journalisten gesprochen wird, sollen damit Ärztinnen, Managerinnen und Journalistinnen „mitgemeint“ sein. Doch dieses sogenannte generische Maskulinum macht die weibliche Form nicht nur sprachlich unsichtbar. Das beweisen zahlreiche linguistische Studien. Die Berühmteste: Man legt Mädchen im Grundschulalter eine Liste mit Berufen vor und bittet sie, anzukreuzen, welche sie mal ergreifen wollen. Wenn die Berufsbezeichnungen in beiden Geschlechtsformen aufgelistet sind (z.B. Astronaut / Astronautin) wählen signifikant mehr Mädchen Berufe, die eher männlich konnotiert sind, als wenn nur die männliche Form zur Auswahl steht.

Wie sehr Sprache geschlechtsspezifische Zuordnungen abbildet, zeigt sich noch deutlicher in Berufsbezeichnungen wie Feuerwehrmann oder Seemann, Krankenschwester oder Putzfrau. Es geht hier also um viel mehr als Befindlichkeiten. Gleichberechtigung muss sich auch in der Sprache abbilden. In der „Süddeutschen Zeitung“ bezeichneten ein Sprachwissenschaftler und eine Sprachwissenschaftlerin Gendern deshalb jüngst als demokratische Pflicht. Der wollen wir jetzt nachkommen.

2. Sprache wandelt sich, Ästhetik ist keine objektive Kategorie

Ein vielstrapaziertes Argument gegen gendergerechtes Schreiben ist, dass es fürchterlich aussehe und die deutsche Sprache unnötig sperrig und kompliziert mache. Richtig, man kann anfangs über Binnen-Is, Gender-Gaps oder Gender-Sternchen stolpern. Aber das soll man ja auch. Gendergerecht zu schreiben, erfordert stellenweise einen neuen Umgang mit Sprache und macht manche Formulierungen schwierig. Aber Sprache ist lebendig und wer sollte sich aufmachen, sie voranzutreiben, wenn nicht wir als Journalist*innen, Texter*innen und Storyteller*innen?

Es ist auch an uns, geschlechtergerechte Sprache von ihrem bürokratischen Image zu befreien, sie positiv zu besetzten und mitzugestalten. Wir finden übrigens nicht, dass gegenderte Texte unästhetisch sind. Ästhetik ist ohnehin keine objektive Kategorie, sondern immer eine Frage der kulturellen Gewöhnung. Gendergerechte Sprache hat eine eigene Ästhetik. Die symbolisiert gesellschaftlichen Fortschritt. Und den finden wir auf jeden Fall schön.

3. Sprache ist politisch

Die Diskussionen um Sinn und Unsinn dieser sprachlichen Anpassung sind hitzig. Das zeigt, wie politisch das Thema ist. Es geht nicht nur um Rechtschreibung, sondern um Gleichberechtigung von Geschlechteridentitäten. In konservativeren Lagern ist schnell von „Genderwahn“ die Rede und von „Minderheitenpolitik“. Gerade in diesen Zeiten, so finden wir, muss man diesen Stimmen etwas entgegensetzen. Es geht um die gleichberechtigte Sichtbarmachung von Männern und Frauen sowie Menschen, die sich diesen beiden Kategorien nicht zuordnen können oder wollen. Wir haben uns für die Schreibweise mit dem Sternchen entschieden, die all diese Identitäten repräsentieren soll. Auch im Content Marketing ist das gut und wichtig. Wir gehen mir unseren Veröffentlichungen ab jetzt voran.

Übrigens: Dieser Text umfasst gut 4600 Zeichen und kommt mit vier Gender-Sternchen aus.