Wohnmagazine

Eine Auflage von zwei Millionen verteilt sich auf 70 Titel: Der deutsche Wohnmagazine-Markt ist vital. Und was bieten die einzelnen Magazine? Das diskutierten Michael Hopp und Co-Moderator Alexander Garbe mit den Podiumsgästen beim 12. Blattkritik Salon

Lesen Sie hier einige Statements unserer Podiumsgäste

„Print? Wir haben auch zwei Bücher gemacht, ich bin Grafikdesigner. Print finden wir super.“

Frederik Frede, Freunde von Freunden

„Es geht bei uns nicht um Repräsentieren, sondern ums Wohnen. Manchmal wären wir aber auch lieber etwas glamouröser.“

Bettina Wündrich, zuhause wohnen

„Das Magazin entstand als Sammlung. Ich brauche das für mich, ich komm mit Pinterest nicht klar.“

Mark Pohl, HAUSEN

„Wir verstehen uns als Premiummagazin für die, denen AD zu streng und elitär ist.“

Bettina Billerbeck, IDEAT


Wohnmagazine beeinflussen, wie es in deutschen Wohnungen aussieht. Darüber waren sich alle Teilnehmer an diesem Abend einig. Doch welche Funktion die Magazine dabei genau einnehmen – reiner Ratgeber, eher ein Blättermagazin nach Art eines Coffee Table Books oder vor allem ein Anker für die digitale Community –, das wurde als sehr unterschiedlich wahrgenommen. HuF-Chefredakteur Michael Hopp unterzog die teilnehmenden Medien einer Blattkritik. Unterstützt wurde er von Co-Moderator Alexander Garbe, dem Geschäftsführer des stilwerk.

Als ratgeberorientierter how-to-Titel kommt zuhause wohnen aus dem Jahreszeitenverlag von Chefredakteurin Bettina Wündrich daher. Gemütlichkeit ist ein großes, gut zur kalten Jahreszeit passendes Titelthema der aktuellen Ausgabe. Andere Beiträge beleuchten das Einrichten auf kleinem Raum oder Lieblingssofas. Michael Hopp lobte in seiner Blattkritik die reichhaltigen, kleinteiligen Servicestrecken und generell den hohen Nutzwert des Magazins. Wünschte sich aber mehr Mut im Layout und mehr Varianz bei Textformaten und -längen.

Contemporary – zeitgenössisch – ist der Schlüsselbegriff des Magazins IDEAT von Gruner und Jahr. Dessen Dezember/Januar-Ausgabe präsentiert auf stolzen 240 Seiten Design-, Lifestyle- und Reisethemen sowie ein Special zum Christmas Shopping. Inhalt und Form konnten die Blattkritiker nicht überzeugen. Michael Hopp bemängelte die klischeelastige Sprache und das kataloghafte Layout. Einrichtungsspezialist Alexander Garbe lobte immerhin die richtige Auswahl an Trends und die guten Bilder, die allerdings seien viel zu klein eingesetzt. Auf einige der genannten Punkte, so Chefredakteurin Bettina Billerbeck, habe sie keinen Einfluss. Das Magazin erscheint in Lizenz des französischen Originals.

Seit 2009 veröffentlicht die Website Freunde von Freunden von Chefredakteur Frederik Frede Einblicke in die Wohnungen von Kreativen. Faszinierend fanden die Blattkritiker die Seite, die nicht nur Online-Content bietet, sondern ein ganzes Portfolio: von Büchern über die Website und Social Media bis zu einem realen Appartement als Ausstellungsfläche. Alexander Garbe würdigte den Einfluss der Seite auf das Verhalten der Konsumenten („… in fremde Wohnungen schauen… “) und die inspirierenden Bildwelten. Michael Hopp lobte die sauber gearbeiteten Texte. „Vielleicht sind die Geschichten in der Summe etwas zu gleichförmig“, wandte er ein.

Ein minimaler Text- und ein riesiger Bildanteil zeichnen HAUSEN aus, das Chefredakteur Mark Pohl praktisch in Eigenregie herausgibt. Michael Hopp lobte die klare Strukturierung der Bildstrecken, Alexander Garbe die coole Inszenierung. Auch HAUSEN hat eine reale Wohnung als zusätzlichen „Kanal“: In einem Appartement, das mit Kunstwerken von Absolventen der Weimarer Bauhaus-Universität eingerichtet ist, können Menschen zur Probe wohnen.

Liegt die Zukunft der Wohnmagazine in dieser Verschränkung mit der Realität? Auch zuhause wohnen etwa sucht Kontakt zu seinen Lesern und bietet auf Einrichtungsmessen eine Speed-Beratung an. Getrieben wird das Genre indes eher von der digitalen Welt. „Es ist schwierig, mit Instagram und Pinterest mitzuhalten“, hob Bettina Wündrich hervor. Man könne von der Fashion-Industrie lernen, betonte dagegen Mark Pohl, die erzähle überzeugend Geschichten über Influencer. An die Zukunft des Print glaube er andererseits schon: „Irgendwann kommt die digitale Müdigkeit.“ Also wohl keine allzu schlechten Aussichten für zwei Millionen Exemplare verteilt auf 70 Titel in Deutschland.