Content Marketing für KMU #1

„Wir glauben, dass auch und gerade die digitalen Medien einen Raum unmittelbarer Resonanz brauchen, um mehr über sich selbst und ihre Wirkung zu erfahren“, so eröffnete Michael Hopp den 1. Content House Salon bei Hopp und Frenz

Lesen Sie hier einige Statements unserer Podiumsgäste

„Wenn wir in den Inhalten Fehler machen, kann es für den ausspielenden Kanal teuer werden.“

Philip O. Jones, Managing Partner von MedServation und Spacer

„Was wir tun, ist Brandbuilding mittels Storytelling.“

Christopher Nörskau, Geschäftsführer Slow Watches

„Wenn Content King ist, dann ist Kontext Kaiser.“

Marco Maas, Datenjournalist, Medienberater, Open Data City

„Wer Social-Media- und Internet-Marketing vergisst, den wird es in drei, vier Jahren vielleicht nicht mehr am Markt geben.“

Matthias Schultze, Geschäftsführer Malerfachbetrieb Heyse


Wir glauben, dass auch und gerade die digitalen Medien einen Raum unmittelbarer Resonanz brauchen, um mehr über sich selbst und ihre Wirkung zu erfahren“, so eröffnete Michael Hopp den 1. Content House Salon bei HoppundFrenz. „Und wir wünschen uns, dass es gelingt, das Dauerrauschen der digitalen Medien zumindest in Momentaufnahmen der heilsamen Wirkung der Blattkritik zu unterziehen.“ Der Blattkritik Salon im Redaktionsbüro hat schon Tradition, nun wandten sich Hopp und sein Team erstmals dem Publishing im Corporate-Bereich, dem Content Marketing zu. Und zwar dem für Klein- und Mittelständler.

Wir alle kennen die Kampagnen der großen Player Coca Cola oder Red Bull, die Content-Marketing-Factories oder Newsrooms beschäftigen. Doch was ist mit den kleinen Unternehmen, mit den Gewerbetreibenden, den Handwerkern? Welche Inhalte haben sie zur Verfügung und auf welchen Kanälen können sie diese ausspielen? Sicher ist, man brauche keine Riesenbudgets, schickte Hopp vorweg, man könne auch viel bewegen mit der Kraft des Geistes. Michael Hopp und Co-Moderator Hanno Tietgens vom Büro X Media Lab, diskutierten mit den fast 50 Gästen im Publikum und den vier Podiumsgästen, die ihren persönlichen Zugang zum Thema in spannenden und anregenden Cases vorstellten.

Üblicherweise versuchen Unternehmen Geschichten zu entwickeln, die zu ihren Produkten passen. Das Unternehmen Slow Watches aus Hamburg war in der glücklichen Situation, das umzukehren. „Wir haben das Pferd von hinten aufgezäumt“, erzählte Geschäftsführer Christopher Nörskau, „wir haben mit dem Content angefangen und dann das Produkt dazu entwickelt.“ Ihr Produkt sollte Natürlichkeit, Fokussiertheit und vor allem eine gewisse Entschleunigung ausstrahlen. Ihr Produkt wurde – eine Uhr, eine 24-Stunden-Uhr, mit nur einem Zeiger, der halb so schnell läuft wie der einer normalen Uhr. Über ihre Homepage spielen Slow Watches Videos aus, Reviews, Presseclippings und Geschichten von Celebrities, die die Uhr tragen – Geschichten, die Authentizität und Leidenschaft und die Werte des Unternehmens transportieren. Wichtigster Kanal daneben ist Facebook.

Authentizität ist auch das Zauberwort von Matthias Schultze. Der Unternehmer aus Hannover betreibt einen Malereifachbetrieb. „Doch die Arbeit selbst delegier ich in mein Team, die können das viel besser als ich“, erklärte Schultze. „Ich mache das, was mir Spaß macht.“ Und zwar Kommunikation. Auf dem Blog der Firmen-Homepage sowie auf Twitter, Facebook, Youtube, Instragram, Pinterest und Snacpchat erzählt Schultze Geschichten. Über seine Mitarbeiter, die teilweise seit Jahrzehnten für ihn arbeiten, über gelungene Aufträge, die sein Unternehmen ausgeführt hat, und auch über Fehler, die passiert sind. Dadurch wird das Unternehmen transparent, was Schultze eher als Vorteil sieht. „Die Leute reden sowieso über dich, so weißt du wenigstens, was sie reden und kannst darauf reagieren.“ Vier Stunden täglich arbeitet der Malermeister so online, jede digitale Anfrage werde binnen 15 Minuten beantwortet, verspricht er.

Als Anbieter von Content für medizinische Themen treten die Agenturen MedServation und Spacer auf, die Managing Partner Philip O. Jones vorstellte. Die beiden Unternehmen, die Jones zusammen mit dem Allgemeinmediziner Dr. Johannes Wimmer führt, begleiten die digitale Transformation im Medizinsektor. Sie bieten unterschiedliche Formate für alle Arten von Medienkanälen an: Vorträge, therapiebegleitende Programme für Patienten, Erklärvideos für eine Krankenkasse und vieles mehr. Und geradezu vorbildlich decken sie unterschiedliche Medienkanäle ab – vom Live-Auftritt über Magazine und Bücher bis hin zu TV-Beiträgen.

Wie Inhalte ausgespielt werden und eine interessierte Zielgruppe in einem möglichst günstigen Moment erreicht werden kann, damit beschäftigt sich Datenjournalist und Medienberater Marco Maas. Die Möglichkeiten der Spracheingabe und das Internet der Dinge werden diese Fragen dramatisch verändern, prophezeit Maas. Selbst eine elektrische Zahnbürste, die dem Benutzer via Smartphone Rückmeldung über seine Putzmethode gibt, könnte zum Medienkanal werden, erklärt der Grimme-Preisträger. Die User wollen für Nachrichten nicht in andere Kanäle wechseln, sondern diese dort bekommen, wo sie ohnehin gerade sind, bei Facebook, Snapchat oder eben der Zahnbürste. Unter dem Projektnamen xMinutes entwickelt Maas’ Unternehmen Open Data City eine App, die genau dies leistet.

An Kanälen mangelt es nicht, da waren sich die Teilnehmer des Abends einig. Die Herausforderung besteht eher darin, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss, seinen eigenen Mix aus den Möglichkeiten – und dass es keine verbindlichen Strategien gibt, die für alle gelten. Gerade da wo eine Persönlichkeit spürbar werden soll und Authentizität gefragt ist, kommt der Tonalität der Botschaften eine entscheidende Bedeutung zu. „Auf der Baustelle wird ein besonderer Slang gesprochen“, betonte Malermeister Heyse. Content-Marketing-Agenturen sprächen diese nicht und müssten sich auf Klein- und Mittelständler zu bewegen, so Heyse. Oder wie es Diskussionsteilnehmer und Medienberater Bastian Schöttler formuliert: „Sie müssen rausgehen und den Mörtel schmecken.“