Content Marketing für KMU #2

Die richtige Zielgruppe mit den richtigen Inhalten erreichen – wie das geht, erklärten vier Content-Marketing-Verantwortliche aus sehr unterschiedlichen Branchen beim 2. Content House Salon am 26. Juni 2017 bei Hopp und Frenz

Lesen Sie hier einige Statements unserer Podiumsgäste

„Social Media ist harte Arbeit, das geht nicht mal eben so nebenbei.“

Farschid Eshaghmohammadi, PPC Detective / Inuit

„Guten Content gibt’s nicht, nur relevanten.“

Marcel Kollmar, Otto

„Unser Newsletter ist eigentlich viel zu lang, da hat man wirklich was zu lesen. Und die Leute lesen das.“

Jürgen Schuback, Apfelpatenhof

„Warum wir ein Print-Magazin machen? Vinyl ist eine Kulturtechnik, die aus dem Haptischen kommt.“

Guido Neuhaus, Edel


Wie kann man die Qualität und Relevanz der Inhalte von Content Marketing garantieren, wenn diese oftmals in Echtzeit-Tempo in die digitalen Kanäle gejagt werden? Das diskutierten HuF-Chefredakteur Michael Hopp, Co-Moderator Hanno Tietgens von der Handelskammer Hamburg mit vier Rednern auf dem Podium und 50 Gästen im Publikum beim 2. Content House Salon.

„Wie erzeugen wir in diesem irren Wettlauf um Aufmerksamkeit, den wir erleben, Interesse und versprechen doch nicht zu viel?“ Michael Hopp

Content Marketing wirft ganz andere Fragestellungen auf, als das traditionelle Corporate Publishing, betonte Michael Hopp. Die Vielfalt der Ausspielkanäle, die Schnelligkeit der Kommunikation und der Kampf um die von vielen Seiten begehrten Zeitbudgets der Empfänger formen neue Rahmenbedingungen. Diese Fragestellungen herauszuarbeiten, darauf kommt es an, so Hopp, denn wer richtig fragt, hat meist schon die halbe Antwort.

„Wer sein Produkt liebt und genug darüber weiß, steht schon mit einem Bein im Content Marketing.“ Hanno Tietgens

Farschid Eshaghmohammadi, Gründer und Geschäftsführer der Online-Marketing-Agentur PPC Detective, stellte als erster Gast des Abends sein Konzept vor, mit dem er großen wie kleinen Kunden zu Aufmerksamkeit im Markt verhilft. Zuerst, so Eshaghmohammadi, stelle er bei einem Auftrag drei Fragen:

Wer ist der Kunde und wer will er sein?
Welches ist die Zielgruppe?
Wie mutig ist er?

Aufgrund der Antworten entwickelt er dann eine Strategie und überprüft deren Wirksamkeit mithilfe von Analytic-Tools. Unter Mut versteht Eshaghmohammadi übrigens die Bereitschaft eines Unternehmens, bei einem Thema zum Meinungsführer werden zu wollen. Denn was zählt und einen nachhaltigen Eindruck auf digitalen Kanälen hinterlässt, ist es, sich zu positionieren und auf authentische Weise seine Meinung zu vertreten.

Apfelbäume vermarkten? Das geht, wie Jürgen Schuback vom Apfelpatenhof berichtete. Der Hof vergibt Patenschaften für Apfelbäume, jeder Pate hat seinen eigenen Baum, auf dem sein Name steht und den er im Herbst abernten darf. Mit einem Facebook-Auftritt, einer Apfelcam auf der Homepage und einem unregelmäßigen Newsletter verbreitet der Hof seinen Content. Den Anteil am Erfolg, den digitale Medien ausmachen, taxiert Schuback auf glatte 100 Prozent. Die Themen indes werden streng analog generiert, beim direkten Austausch im Hofladen.

Informationen haben einen Nutzwert, Geschichten einen Unterhaltungswert. Das ist der Grundsatz von Guido Neuhaus, General Manager Content Marketing von Edel. Das Unternehmen betreibt unter anderem einen Buchverlag und ein Vinyl-Presswerk. PR für Vinyl nach diesem Grundsatz zu machen, ist das erklärte Ziel von Neuhaus. Dafür gibt er ein Vinyl-Print-Magazin heraus, und kommuniziert auf Facebook, Twitter, Instagram, via Podcasts und Newsletter. Für die unterschiedlichen Kanäle habe er speziell zugeschnittene Formate entwickelt, erzählte Neuhaus. Seine Herausforderung dabei ist es, eine jüngere Vinyl-affine Zielgruppe zu erreichen, ohne die traditionelle zu enttäuschen (Männer, 45+).

Entlang der Customer Journey hat Marcel Kollmar, Leiter Suchmaschinenoptimierung und Content Marketing bei Otto.de, seine Kommunikation ausgerichtet. Diese beginnt jedoch schon lange vor der Kaufanbahnung und endet nicht mit dem Kauf, so Kollmar. In verschiedenen Online-Kanälen und Blogs werden die User adressiert. Ihnen Inspirationen für Lifestyle- und Living-Themen zu vermitteln oder sie technisch zu beraten, sind wichtige Kommunikationsziele. „ Ziel ist es nicht, Verkäufe zu generieren“, betont Kollmar.

Vier unterschiedliche Konzepte aus sehr unterschiedlichen Bereichen. Wichtig ist die Relevanz der Inhalte und die authentische Ansprache, da waren sich alle Teilnehmer einig. Um beides zu erreichen, ist es aber essenziell Content Marketing als eine Aufgabe ernst zu nehmen und Zeit dafür zu investieren. Gerade Social-Media-Kanäle würden in der Praxis gerne Praktikanten überantwortet, berichtete Online-Marketing-Experte Farschid Eshaghmohammadi. „Ich kriege Pickel, wenn ich sowas höre.“