1,8 Millionen Mobilitätskonzepte

Wie sieht die Mobilität von morgen aus? Und wie kann man darüber kommunizieren? Darüber tauschten sich Branchenexperten beim Content House Salon „Gib kW, ich will Spaß – Neue Kommunikation für neue Mobilität in Hamburg“ aus

Text: Heinz-Jürgen Köhler

Mobilität und Kommunikation – sie stecken beide in der digitalen Transformation. Mobilität ist ohne Kommunikation nicht möglich, so eröffnete HuF-Chefredakteur Michael Hopp die Runde. Gemeinsam mit Hans Stapelfeldt, dem ITS-Netzwerkmanager der Stadt Hamburg, führte er durch den Abend, der dann tatsächlich zeigte, wie herausfordernd es ist, über neue Mobilität zu sprechen. Das liegt auch an den sehr individuellen Zugängen zum Thema, denn, wie formulierte es Stapelfeldt: „Es gibt in Hamburg etwa 1,8 Millionen Mobilitätskonzepte.“

Weltkongress der Mobilität

Mobilität in Hamburg: Das ist der autonome Kleinbus HEAT in der Hafencity; das sind die Velorouten, die überall in der Stadt gebaut werden; das sind der HVV, die Stadträder und das Carsharing. Und es ist auch das Thema der aktuellen „Zeit“, von der zahlreiche Exemplare als freundliche Gabe des Zeit-Verlages im Salon auslagen.

Mobilität in Hamburg, das ist perspektivisch auch der ITS-Weltkongress, um dessen Kommunikation sich eben auch Co-Moderator Stapelfeldt kümmert. Die internationale Veranstaltung über „Intelligent Transport Systems“ wird 2021 in der Hansestadt stattfinden. Sie solle für die Mobilität das werden, was die olympischen Spiele für den Sport sind: ein internationales Fest, das viele Bürger erreicht, so formulierte es Michael Otremba.

Der Geschäftsführer Hamburg Tourismus definiert Mobilität als ein wichtiges Thema für seine Arbeit. „Unsere Aufgabe ist, die Lebensqualität in der Stadt zu steigern.“ Und um dafür innovative Lösungen umsetzen zu können, muss man sie erst einmal den Menschen nahebringen. „Sie in die Sprache der Menschen übersetzen“, wie es Otremba formuliert.

Mobilität und Lebensqualität

Lebensqualität war auch das Thema von David von Oertzen, Head of Product bei Moovel. „Individualverkehr macht die Städte nicht lebenswerter“, betonte er. Öffentlicher Nahverkehr und Sharing-Angebote schafften nicht nur Platz auf den Straßen, es entstünden auch Freiflächen, wenn man weniger Parkplätze braucht. Die App-Lösung von Moovel verbindet ÖPNV mit Sharing und versucht, den Menschen den Umstieg von der individuellen zur öffentlichen Mobilität einfacher zu machen.

Und wieso setzen Daimler und BMW mit ihrem Joint Venture Moovel auf Lösungen, die helfen könnten, den Absatz von Neuwagen zu senken? „Um die immensen Herausforderungen der neuen Mobilität bestehen zu können, muss man seine Kräfte bündeln“, erklärte von Oertzen.

Digitaler Zwilling der Stadt

Ob denn nicht auch die von Autos erhobenen Daten für die Unternehmen attraktiv seien, hakte Prof. Dr. Gesa Ziemer vom City Science Lab der Hafencity Universität nach. Die Frage ließ sich aber an diesem Abend nicht mehr klären.

Ziemer brachte zwei sehr interessante Aspekte in die Diskussion des Abends ein: eine internationale Einordnung und eine Beurteilung Hamburgs. Verglichen mit Megacitys wie Mexico-City oder Lagos sind Hamburgs Mobilitätsprobleme verschwindend, sagte Ziemer. Und warf der Hansestadt Versäumnisse vor. Einerseits müsse im Bereich Mobilität deutlich mehr ausgebildet werden: „Wir haben keine Mobilitätsprofessur in Hamburg.“ Andererseits existiert kein Verkehrsmodell in Hamburg und es gebe nur sehr wenige Echtzeitdaten. Damit könne die Stadt Ist- und gewünschte Soll-Zustände des Verkehrs gar nicht abbilden. Vorbildhaft sei in dem Bereich Helsinki. Die finnische Metropole betreibe einen digitalen Zwilling der Stadt, in das dann auch wichtige Nachbardisziplinen wie Bildung und Gesundheit integriert werden können.

Ein Weg zur Verbreitung von Elektromobilität präsentierte schließlich Moritz Stumpf, CEO von Blockchain Solutions. In Partnerschaft mit dem Mobilitätsunternehmen UZE Mobility stellt das Unternehmen zurzeit in zwei Pilotversuchen in Aachen und Bremen kostenlos E-Fahrzeuge des Herstellers StreetScooter zur Verfügung. Technisch basierend auf Blockchain-Technologie wird auf Displays an den Außenseiten des Fahrzeugs orts- oder anlassbezogene Werbung ausgespielt, also zum Beispiel Sportwerbung vor einem Stadion oder Reisewerbung bei Regenwetter. Die Einkäufe vom Möbelhaus kostenlos und elektrisch nach Hause fahren – eine feine Sache. Kommunikation braucht es aber auch für diese Lösung.

Der Abend in der Slideshow

Fotos: Lidija Delovska

Wir bedanken uns bei Hofgarten für die leckeren Getränke, die sie uns für den Abend zur Verfügung gestellt haben.